Was ist Naturheilkunde?

„Medicus curat, natura sanat“ – „Der Arzt behandelt, die Natur heilt“ 

Hippokrates

Naturheilkunde ist die Lehre und Forschung des Aufgreifens, Anregens und Imitierens naturgemäßer, körpereigener Heilungsprozesse.

Naturheilmittel und naturgemäße Heilungen sind so alt wie die Menschheitsgeschichte selbst und damit die älteste Medizin überhaupt. Eine natürliche, spontane Heilung, ohne ein äußeres Zutun, nur auf den körpereigenen Heilungsprozessen begründet, gehören zur inhärenten Weisheit des menschlichen Körpers. 

Mit dem Begriff Naturheilverfahren werden die therapeutischen Verfahren bezeichnet, die natürliche Faktoren als Heilkrafteinsetzen oder Maßnahmen anwenden, die der Natur nachempfunden sind und die selbstregulierenden Prozesse im Körper aktivieren und unterstützen. 

Die Naturheilkunde basiert auf der Annahme, dass wir Menschen, als Teil der Natur unsere körpereigenen Heilkräfte auch nur aus der Natur beziehen können. Dabei sind Licht, Luft, Wasser, Bewegung und Ernährung nicht nur die Grundlage einer gesunden und naturgemäßen Lebensführung, sondern auch die gemeinsame Basis einer ganzheitlichen Behandlung.

Alle angewandten Verfahren folgen dabei den drei Grundpfeilern der Naturheilkunde, mit dem Ziel, die natürliche Ordnung im Organismus wiederherzustellen:

  • Schonung
  • Kräftigung
  • Normalisierung

Naturheilverfahren

In der Naturheilkunde werden die klassischen Naturheilverfahren und die erweiterten Naturheilverfahren voneinander differenziert.

Klassische Naturheilverfahren

Die klassischen Naturheilverfahren zeichnen sich durch ihre schon lang bestehende Tradition aus und verfügen über den stetigen Einsatz von echten, sog. genuinen Naturfaktoren in den entsprechenden Anwendungsgebieten. Die wichtigsten klassischen Naturheilverfahren sind:

  • Bewegungstherapie – Manuelle Medizin, allgemeine körperliche Aktivität, Sport, passive und aktive Physiotherapie, Massagen 
  • Hydro- und Thermotherapie – Unterwasserstrahlbehandlung, Überwärmungsbäder, Dampfbäder, Sauna, Waschungen, Güsse, Teilbäder, Wickel und Packungen
  • Phytotherapie – Traditionelle und moderne Pflanzenheilkunde 
  • Ernährungstherapie – Vollwerternährung, Makro- und Mikronährstoffe, diverse Diätformen, Heilfasten
  • Ordnungstherapie – Die sechs Ordnungskategorien der hippokratischen Medizin als Grundlage einer gesundheitsfördernden Lebensführung
  1. Geordneter Umgang mit Licht, Wasser, Erde, Wärme, Kälte
  2. Maßvoller Gebrauch von Speis und Trank
  3. Rhythmus von Bewegung und Ruhe, Arbeit und Freizeit
  4. Wechsel von Schlafen und Wachen
  5. Regulation von Ausscheidung und Absonderung der Entgiftungsorgane
  6. Beherrschung der Gemütsbewegungen

Erweiterte Naturheilverfahren

Unter erweiterte Naturheilverfahren werden besonders die Therapiemethoden zusammengefasst, die durch Nachahmung natürlicher Prozesse des Körpers, Heilungsprozesse in Gang setzen. Dazu zählen:

  • Ausleitungsverfahren – Verfahren, die durch Herbeiführen einer künstlichen Öffnung, dem Körper ermöglichen, sich selbst zu entlasten und zu reinigen. Die wichtigsten Verfahren dazu sind: 
    • Aderlass
    • blutiges Schröpfen
    • Blutegelbehandlung
    • Cantharidenpflaster 
  • Ableitungsverfahren – Verfahren, die Energie im Körper umverteilen, um sie gegebenenfalls zur Ausleitung zu bringen. Dabei werden Prozesse eines betroffenen Organs auf ein für die Therapie besser zugängliches Organ umgeleitet. Somit können beispielsweise Gelenkentzündungen oder Stauungsprobleme einzelner Organe über die Haut behandelt werden. Die wichtigsten Verfahren dazu sind:
    • trockenes Schröpfen
    • Baunscheidtverfahren
    • physikalische Maßnahmen wie z.B. an- und absteigende Bäder
  • Neuraltherapie – Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen mittels Lokalanästhetika
  • Mikrobiologische Therapie – Substitution natürlicher Bakterienkulturen zum Aufbau einer gestörten Darmflora

Wirkprinzipien naturheilkundlicher Therapien

Das wesentliche Grundprinzip einer naturheilkundlichen Behandlung besteht darin, die individuelle Natur des Menschen bestmöglich zu beeinflussen. In erster Linie bedeutet dies, selbstregulierende Prozesse im menschlichen Organismus zur Mitarbeit zu aktivieren und somit dem inwendigen Arzt, wie Paracelsus diese Prozesse einst beschrieb, arbeiten zu lassen. Dadurch wenden Naturheilverfahren stimulierende Therapieprinzipien an, die darauf abzielen, Gesundheit von innen heraus wiederzuerlangen. Die Schulmedizin hingegen ist darauf bedacht alles zu unternehmen, Krankhaftes aus dem Körper zu eliminieren und Gesundheit von außen zuzuführen, indem fehlendes ersetzt, krankhaftes entfernt oder fehlerhafte Prozesse und gestörte Funktionen mittels zahlreicher Medikamente korrigiert wird. 

Folgende Therapieverfahren können nach ihrem Wirkprinzip differenziert werden:

  • ReiztherapieGrundsatz:Kleine Reize fachen die Lebenstätigkeit an, mittelstarke fördern sie, starke hemmen sie, und stärkste heben sie auf.Der gezielte Einsatz von Belastungen auf den Körper wie beim Heilfasten oder der Anwendung von Kälte und Reizstoffen wie die Eigenblutbehandlung oder homöopathische Mittel, wird der Organismus zur reaktiven Eigenleistung angeregt.Reize trainieren hierbei besonders das unspezifische Immunsystem und verstärken häufig zugleich auch die spezifischen Abwehrreaktionen. Unsere moderne Lebensweise, welche durch Zivilisationskost, Umweltgifte und therapieresistente Infektionskrankheiten geprägt ist, führt zwangsläufig zur Überbeanspruchung unseres Immunsystems und damit zur Notwendigkeit immunmodulierender Maßnahmen.Der vermehrte Einsatz von pflanzlichen Immunmodulatoren kann dabei sehr hilfreich sein, die Aktivität und Anzahl der Abwehrzellen ansteigen zu lassen. Zu ihnen gehören unter anderem:
    • Echinacea
    • Mistel
    • Eleutherokokkus
    • Körpereigene Substanzen wie Eigenblut
    • Organpräparate wie z.B. ThymuspräparateDes Weiteren wird die Immunabwehr therapeutisch durch die Gabe von Vitaminen, Spurenelementen und Enzymen unterstützt.
  •  UmstimmungstherapieDurch die therapeutische Aktivierung des vegetativen Nervensystems z.B. mittels einer Neuraltherapie oder dem künstlichen Herbeiführen einer Entzündung, wird die Reaktionsbereitschaft des menschlichen Organismus deutlich gesteigert. Dieser Effekt löst im Gehirn eine hormonelle Aktivierung aus, welche wiederum einen positiven Effekt auf unterschiedliche Organsysteme und Gewebe hat, die bei den selbstregulativen Prozessen eine tragende Rolle einnehmen.Zu den Umstimmungstherapien zählen:
    • Ab- und ausleitende Verfahren (z.B. Eigenblut, Aderlaß, Schröpfen, Blutegel)
    • Akupunktur
    • Physikalische Therapie
  • SubstitutionstherapieGrundsatz:Eine zu geringe Dosis bleibt wirkungslos, die richtige Dosis heilt, eine Überdosis ruft toxische Erscheinungen hervor.Die Substitutionstherapie ist durch das Zuführen von Wirkstoffen gekennzeichnet.Zu den Substitutionstherapien zählen:
    • Phytotherapie
    • Orthomolekulare Medizin
    • Ernährungstherapie

Eigenbluttherapie

Grundlagen:

Die Eigenbluttherapie gehört zur Gruppe der unspezifischen Reiztherapie, dessen ersten Dokumentationen auf den Chirurgen August Bier zurückzuführen sind. Er nutzte die Injektion von Eigenblut, um die Heilung von Frakturen zu beschleunigen. Seiner Auffassung nach, stellte unbehandeltes Blut das natürlichste und auch das wirksamste Reizmittel zur Förderung der Frakturheilung dar. 

Zuvor entnommenes Venenblut des Patienten wird dabei entweder direkt oder nach einer vorherigen Aufbereitung in die Muskulatur oder die Haut reinjiziert. 

Wirkungen:

Das injizierte Blut ruft durch ein sich bildendes Hämatom im Gewebe eine gewollte lokale Entzündungsreaktion hervor, die wiederum damit einhergeht, dass eine sogenannte Leukozytose (Anstieg der weißen Blutkörperchen) entsteht. Diese Reaktion ist Ausdruck eines beschleunigten Stoffwechsels und einer gesteigerten Immunabwehr, welche sich positiv auf den ganzen Organismus auswirken. Durch Aktivierung der Immunzellen, werden sowohl die Abwehrkräfte des menschlichen Körpers verbessert als auch die Selbstheilungskräfte angeregt.

Durchführung:

Prinzipiell werden im Durchschnitt circa 8-10 Behandlungseinheiten durchgeführt. Dabei gilt der Grundsatz: Je akuter das Beschwerdebild, desto häufiger sollte eine Behandlung erfolgen. Dabei werden die Injektionen beispielsweise täglich mit steigender Dosierung angewandt. Chronisch verlaufende Erkrankungen hingegen, sprechen eher auf große Injektionsintervalle mit niedrigerer Dosierung an. Hierbei gilt: Je chronischer die Erkrankung, desto seltener sollte die Eigenbluttherapie durchgeführt werden. 

Bei allergischen Erkrankungen empfiehlt es sich durchaus, sofern vorhanden, in den beschwerdefreien Zeiten mit der Eigenbluttherapie zu beginnen. Pollenallergien und Heuschnupfen sind klassische Beispiele für einen Behandlungsbeginn im Winter. 

Indikationen

  • Akute und rezidivierende Entzündungen wie Tonsillitis, Sinusitis, Otitis media
  • Allergien wie Heuschnupfen, Pollenallergie, allergisches Asthma
  • Asthma bronchiale
  • Blutbildungsstörungen
  • Chronische Erkrankungen wie Arthrose, Arthritis
  • Durchblutungsstörungen
  • Erkältungskrankheiten
  • Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Ekzeme, Haut- und Nagelpilz
  • Immunschwäche, allgemeine Abwehrschwäche
  • Infektionen viraler oder bakterieller Natur
  • Rheumatische Erkrankungen

Kontraindikationen

Die Eigenblutbehandlungen werden in der Regel sehr gut vertragen und haben nur selten Reaktionen der Unverträglichkeit, wie z.B. Kopfschmerzen, Schwindel oder Fieber. Direkt nach der Behandlung mit Eigenblut kann es allerdings, wie bei jeder anderen Therapieform auch, im Sinne von Heilungsreaktionen zu einer kurzfristigen Erstverschlimmerung kommen. 

Eine Therapie mit Eigenblut sollte nicht durchgeführt werden, wenn:

  • eine Entzündung der Venen vorliegt
  • eine Blutgerinnungsstörung vorliegt
  • eine akute Blutung vorliegt
  • Glukokortikoide (z.B. Kortison) eingenommen werden
  • Blutverdünner (z.B. ASS, Xarelto, Marcumar) eingenommen werden
  • Immunsuppressiva (z.B. Methotrexat) eingenommen werden

 

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